Fast die Hälfte der Menschen leben und arbeiten in der Landwirtschaft, meistens in kleinen Familienbetrieben. Die Deregulierung der landwirtschaftlichen Märkte auf Druck der großen Exportnationen unter anderem der EU, fördert Grossbetriebe sowie einen ungezügelten Konkurrenzkampf und bringt niedrige und instabile Preise mit sich.
Diese Marktordnung wird Millionen Bauern ihrer Einkommen und ihres Landes berauben. Da für sie keine neuen Arbeitsplätze geschaffen werden, werden sie in die Elendsviertel der großen Städte abziehen.
Im Hinblick auf eine gerechtere Wirtschaftspolitik haben sich Entwicklungsorganisationen mit Bauernverbänden und Umweltorganisa-tionen zusammengetan und die "Plattform für
eine nachhaltige und solidarische Agrar- und Wirtschaftspolitik" gegründet.
Innerhalb dieser Plattform werden wir nach Wegen suchen, gerechtere und nachhaltigere Wirtschaftsmodelle umzusetzen. Durch diese Plattform werden wir auch das Recht einfordern, die bäuerliche Landwirtschaft auf der ganzen Welt zu erhalten und zu fördern.
Charta der luxemburgischen Plattform für eine nachhaltige und solidarische Agrar- und Handelspolitik
Die Unterzeichner dieser Charta sind der Meinung dass die Agrar- und Wirtschaftspolitiken, darunter die Gemeinsame Agrarpolitik, auf nationaler wie auf internationaler Ebene die folgenden Grundsätze gleichermaßen beachten müssten, damit auf lange Sicht fairer Handel möglich wird :
- Menschenrechte und Ernährungs-Souveränität (1)
- Gleiche Zugangsrechte zu natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser und dem Saatgut für alle Landwirte und dies ohne auf gentechnisch veränderte Organismen zurückzugreifen.
- Wahrung der kulturellen und wirtschaftlichen Besonderheiten der Nahrungsmittel und Agrar-erzeugnisse sowie die wirtschaftlichen und natürlichen Eigenarten der Agrarerzeugung. Die Notwendigkeit die Produktion zu regulieren, um die Binnennachfrage nach Nahrungsmitteln zu decken und also die Unmöglichkeit die landwirtschaftlichen Märkte einer kompletten Liberalisierung zu unterwerfen.
- Der Erhalt der nachhaltigen landwirtschaftlichen Familienbetriebe in allen Regionen Europas und der ganzen Welt.
- Die Förderung nachhaltiger Produktionssysteme in ihren sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Dimensionen und der Respekt des tierischen Wohlbefindens zur Sicherung einer gesunden Ernährung.
- Landwirtschaftliche Preise welche die Erzeuger entlohnen, die direkten und indirekten Produktionskosten decken und den Bauern ein gerechtes Einkommen sichern, das vergleichbar ist mit dem anderer Tätigkeitsbereiche in ihrem Land.
- Die Verstärkung der regionalen und lokalen Märkte, um die Umsetzung des Prinzips der regionalen Präferenz zu ermöglichen (im Vergleich zur Gemeinschaftspräferenz der EU). Im Allgemeinen kann Agrarpolitik auf regionaler Ebene definiert und umgesetzt werden.
- Das Verbot, landwirtschaftliche Produkte auf Drittmärkte unter dem dort üblichen Preis zu verkaufen. Dies betrifft ebenfalls die marktverzerrende Praxis der Nahrungsmittelhilfen.
- Der Erhalt der Präferenzabkommen für den Import aus den ärmsten Ländern, damit deren ärmste Bevölkerung Chancen für eine nachhaltige Entwicklung bekommt.
- Exportgüter müssen den sozialen, gesundheits- und umweltpolitischen Vorschriften des Empfangslandes entsprechen.
- Erzeuger und Exporteure haben internationale Verträge zur Festsetzung von sozialen, gesundheits- und umweltpolitischen Regeln einzuhalten (Abkommen der ILO , Codex Alimentarius,...).
Die Ernährungs-Souveränität (1)
ist das Recht einer Bevölkerung, einer Gemeinschaft, eines Landes, selbst die Politik für die eigene Ernährung, die Landwirtschaft, die Landnutzung, die Arbeitsweise und den Fischfang zu bestimmen, im Einklang mit den jeweiligen umwelt- , sozial- , wirtschafts- und kulturpolitischen Eigenarten und ohne Dumping gegenüber Drittregionen oder Drittländern.
Nahrungsmittelsouveränität beinhaltet das Recht auf Ernährung und Erzeugung von Nahrungsmitteln, was bedeutet, dass jede Bevölkerung ein Recht hat auf gesunde, kulturspezifische und nahrhafte Ernährung, sowie auf die Möglichkeit, Nahrungsmittel zu erzeugen, die für ihr eigenes Überleben und das ihrer Gesellschaft notwendig sind.
(Welt-Sozialforum 1996)
Teilnehmende Organisationen
Bauernverbände :
- Bauernallianz, Centrale Paysanne Luxembourgeoise, Fédération des Herdbooks Luxembourgeois, Fräie Lëtzebuerger Baureverband, Lëtzebuerger Jongbaueren a Jongwenzer, Service Jeunesse de la Centrale Paysanne Luxembourgeoise, Veräin fir biologesch-dynamesch Landwirtschaft, Vereenegung fir biologesch Landwirtschaft Letzebuerg
Umweltverbände :
- Fondation Greenpeace Luxembourg, Lëtzebuerger Natur- a Vulleschutzliga, Mouvement Ecologique
Entwicklungsorganisationen :
- Action Solidarité Tiers Monde - ASTM, Aide à l’Enfance de l’Inde, Association Solidarité Luxembourg Nicaragua - ASLN, Cercle de Coopération des ONG de Développement, Frères des Hommes, Lëtzebuerger Jongbaueren a Jongwenzer - Service Coopération, SOS Faim, TransFair Minka